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Fischereischeinausbildung für gehörlose Menschen

Im Januar 2010 ging in Husum zum zweiten Mal ein Fischereischeinkurs mit besonderer Beteiligung zu Ende. Der Kreisanglerverband Nordfriesland hatte eine Ausbildung für zukünftige AnglerInnen landesweit ausgeschrieben, die auch gehörlosen Menschen eine Teilnahmemöglichkeit bot.
Realisierbar wurde dieses ehrgeizige Projekt erst durch die großzügige Unterstützung durch das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk.  Die bekannte Husumer Rehabilitationseinrichtung stellte an den Ausbildungsabenden nicht nur einen großen Unterrichtsraum zur Verfügung, sondern auch drei Gebärdensprachdolmetscherinnen, die den Kurs für die hörgeschädigten Teilnehmer übersetzten. 


Die Arbeit der drei Gebärdensprachdolmetscherinnen

Für die Gebärdensprachdolmetscherinnen Astrid Weirauch , Ines Sörensen und Undine Thießen war diese Übersetzungsarbeit interessant  und anstrengend zugleich, mussten sie doch viele Begriffe, die in der speziellen Sprache der Sportangelei vorkommen, in brauchbare und für Gehörlose verständliche Gebärden übertragen. Dass die drei  engagierten und fachkundigen Frauen ihre Arbeit erstklassig machten, ließ sich am besten am Ergebnis der abschließenden Prüfung erkennen: Alle hörbehinderten Kursteilnehmer bestanden die Fischereischeinprüfung mit guten Leistungen. 


Ein Teilnehmer kam von weither

Für Kai Sönke Giese war der Kurs ganz besonders wichtig. Er wohnt und arbeitet im ca. 80 km entfernten Kiel und kam zweimal pro Woche aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt nach Husum, um hier seine Ausbildung zum Angelfischer zu absolvieren. Seine Freude über die bestandene Prüfung war daher genauso groß wie die von Robert Pautzke, einem Auszubildenden des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerkes, dem man die Aufregung bei der Prüfung geradezu ansehen konnte. 



Auch ein Rollifahrer nahm am Lehrgang teil
 


Neben den fünf gehörlosen jungen Leuten nahm mit Frank Schiefelbein auch ein Rollstuhlfahrer an der Ausbildung teil. Er möchte später seinem Hobby an natürlichen Gewässern unserer Region nachgehen. Insofern war es gut, dass der Vorsitzende des Kreisanglerverbandes Jürgen Töllner zur Abschlussprüfung  gekommen war und die Wünsche und Erwartungen des jungen Mannes im Rollstuhl gleich aufnehmen konnte.“Der Kreisanglerverband und seine Mitgliedsvereine werden sich mit den Bedürfnissen von Menschen mit Handicaps befassen. Ich bin sicher, dass wir bereits in sehr kurzer Zeit für Menschen mit Behinderung geeignete und ausreichend gesicherte Angelplätze in unserem Kreisgebiet anbieten können“,  sagte Töllner seine Unterstützung spontan zu.  


Die pädagogischen Ansprüche an die Lehrberechtigten steigen

Norbert Heine war in diesem Lehrgang auch  als Vorleser und Motivator für weitere vier Teilnehmer  gefragt, die erhebliche Leseprobleme aufweisen. Geduldig und mit sehr großem Einfühlungsvermögen sorgte der Husumer Finanzbeamte dafür, dass die Kinder und Jugendlichen die Fragen überhaupt  verstehen konnten. 
„Die Fischereischeinausbildung wird insgesamt für die Lehr- und Prüfberechtigten nicht leichter. Waren früher eher Sach- und Fachkunde wesentliche Merkmale der FischereischeinausbilderInnen, so wird heute zusätzlich immer mehr pädagogisch-methodisches Können von meinen Ausbildern verlangt,“ so fasst Lehrgangsleiter Willfried Tetens seine Beobachtungen zusammen.                                                 
Der Kreisanglerverband Nordfriesland  wird sich auch diesen Aufgaben stellen und dafür sorgen, dass  Menschen mit  Beeinträchtigungen die Chance zur Teilhabe an unserem  wunderschönen naturbezogenen Hobby bekommen.